Welcher ETF ist der richtige? | Die Auswahl des Index

Luis SchreckenbergETF4 Kommentare

Bevor ETFs gekauft werden, stellt sich natürlich die Frage der Indizes. Doch welcher Index soll der ETF abbilden? Wie kann ich mir sicher sein, dass der Index auch zu mir und meiner Strategie passt? In diesem Artikel möchte ich einige wichtige Punkte anscheinen, die dir bei der Auswahl des Index helfen werden. Doch zunächst klären wir die Frage…

Was ist ein Index eigentlich?

In der Welt der Finanzen ist ein Index das Barometer der oder einer Wirtschaft. Je nachdem welcher Index vor dir liegt, kannst du auf die Wirtschaft eines Landes oder einer Branche schließen.

Einige Indizes vereinen nur große Firmen so genannte Blue Chips, Andere nur Segmente oder Branchen und wieder andere zeigen die gesamte Weltwirtschaft. Aus diesem Grund wird ein Index auch in Punkten angegeben und nie in einer Währung wie es bspw. bei Aktien der Fall ist. Die Berechnung der Punkte liegt in der Hand des Unternehmens, der den Index veröffentlicht.

Indizes, die vermeintlich das gleiche zeigen, können sich von Grund auf unterscheiden. So wird bspw. der DAX einmal als Kursindex und einmal als Performance Index veröffentlicht. Während der Kursindex die reine Entwicklung der Kurse widerspiegelt, berücksichtigt der Performance Index zusätzlich auch die Dividenden. Der Unterschied wird im folgenden Bild sehr deutlich:

DAX Index

DAX Kursindex Blau, DAX Performance Index Schwarz (Quelle)

Wie du sehen kannst, hat der Performance Index eine wesentlich bessere Rendite, da hier die Dividenden der Unternehmen „reinvestiert“ werden. Grundsätzlich findet sich selten ein Index, der nur die Kurse berücksichtigt. Meistens sind es Total Return oder Performance Indizes, die auch die Dividenden beachten.

Letztlich kommt es ganz auf dich und deine Anlagestrategie an, welche Indizes du auswählst. Doch dabei sind einige Aspekte wichtig.

Ist der Index repräsentativ?

Ein starker Grund für einen ETF ist, dass mit nur einem Wertpapier in eine ganze Wirtschaft investiert werden kann. Daher gilt es, diese Stärke auszunutzen. Wie? Indem der Index möglichst repräsentativ ist. Also viele Firmen der Branche bzw. des Landes enthält. Ist das nicht der Fall, ist der Index nicht aussagekräftig.

Wie soll bspw. der DAX, mit nur 30 Firmen die Wirtschaft Deutschlands widerspiegeln? Oder der Dow Jones Industrial Average? Er enthält ebenfalls nur 30 Firmen. Repräsentativ für die gesamte Wirtschaft der USA? Eher nicht. Natürlich kommt es wie zuvor erwähnt auch auf deine Strategie an. Suchst du nach einem Index, der die größten 30 deutschen Firmen zeigt, dann ist der DAX genau der richtige Index. Für die Weltwirtschaft dagegen, ist der All Country World Index (ACWI) eine bessere Wahl.

Eng verbunden mit der Anzahl an Firmen bzw. Titeln ist die Diversifikation.

Oft gaukelt ein hauseigener Index eine gelungene Segmentierung vor. Häufig ist dies aber gar nicht der Fall. Wie bspw. der Telefonindex von der Firma Stoxx, der die größten 13 Telefonfirmen Europas abbildet. Enthalten sind die Deutsche Telekom (ca. 29%), Orange SA (ca. 15%) und Telefonica SA (ca. 15%). Stellvertretend für die Telekommunikation? Wohl kaum.

Aktien dieser drei Firmen würden zu 60% den Index widerspiegeln. Daher rate ich von solchen vermeintlich gelungenen Indizes die Finger zu lassen.

Je diversifizierter, desto besser

Fakt ist, sobald ein Index viele Titel enthält, ist das Risiko besser gestreut. Die einzelnen Aktien fallen einfach weniger ins Gewicht. Geht es einem Unternehmen schlecht, so beeinflusst das den Index nur minimal. Anders ist es bei dem Telefonindex von Stoxx. Der Anteil der dt. Telekom liegt bei knapp 30%. Somit hat die Wertentwicklung der AG einen höheren Einfluss auf die Entwicklung des Index. Solch ein Klumpen Risiko ist vermeidbar.

Schön und gut, doch wie werden die einzelnen Unternehmen überhaupt gewichtet? Die Antwort auf diese Frage hat eine nicht unerhebliche Rolle für die Auswahl des ETFs.

Kurz gesagt haben die meisten Indizes eine Gewichtung nach der Marktkapitalisierung (Kurs der Aktie * Anzahl der Aktien). Allerdings gibt es auch Indizes, die nach Unternehmenskennzahlen gewichten. Ein Beispiel dazu sind die so genannten RAFI Indizes.

Grundsätzlich gilt:

Eine Gewichtung nach der Marktkapitalisierung verzerrt das Bild des Index. Denn wenn ein Titel an der Börse in die Höhe schießt, steigt auch die Marktkapitalisierung und damit der Anteil am Index. Das macht den Index anfällig für Blasen (Dotcom Blase 2002 bspw.) Im Gegenzug dazu steht eine Gewichtung nach fundamentalen Daten (RAFI). Leider sind hier Firmen wie Amazon oder Google in der Anfangszeit nicht vertreten, da die Zahlen oftmals uninteressant für den Index sind. Es ist also eine Entscheidung, die du selbst treffen musst. Oftmals wird dir diese allerdings abgenommen. Denn die gängige Praxis ist eine Gewichtung nach der Marktkapitalisierung.

Der Index ist ausgewählt, wie geht es weiter?

Wir haben uns ein Index ausgewählt der zu uns und unserer Anlagestrategie passt. Doch, ist das wirklich so? Wie wählt der Index seine Firmen überhaupt aus? Schauen wir uns das am Beispiel des DAX an.

Ein Unternehmen wird erst dann in den DAX aufgenommen wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  1. Sitz in Deutschland oder der Sitz in der EU + meister Handelsumsatz an Börse XETRA,
  2. Prime Standard (Transparenzgrad der Frankfurter Börse),
  3. Mindestens 10% der Aktien müssen handelbar sein,
  4. Fortlaufend an der Börse XETRA notiert sein.

Zusätzlich dazu muss das Unternehmen eine sehr hohe Marktkapitalisierung vorweisen. Erst dann kann die Firma eine andere Firma im DAX ablösen. Die genauen Regeln dafür kannst du hier nachlesen.

Das bedeutet also, dass jeder Index letztendlich gewisse Kriterien hat, die bestimmen welche Firmen aufgenommen werden und welche nicht. Diese Art und Weise sollte sich natürlich nicht mit deiner ausgewählten Anlagestrategie beißen. Bspw. die Dividendenrendite oder die Größe des Unternehmen usw.

Ist das schon alles für die Auswahl des Index?

Grundsätzlich ja. Anzumerken ist, dass ein ETF praktisch nie besser abschneiden kann als der Vergleichsindex. Das liegt zum großen Teil an den Kosten. Denn der Index wird lediglich berechnet während ein ETF für den Kauf von Wertpapieren Gebühren zahlen muss. Diese Gebühren resultieren am Ende in die so genannte Tracking Difference. Also eine Abweichung der ETF Rendite zu der des Index selbst. Oft wird in diesem Zusammenhang auch der Begriff Tracking Error verwendet. Dieser sagt aus, wie volatil der ETF im Vergleich zum Index ist.

Fazit

Im Grunde genommen sind es nur wenige Eckpunkte, die zu beachten sind.

  • Diversifikation
  • wenig Kosten und
  • verständliche Indizes.

Wichtig ist das Ziel eines ETF nicht aus den Augen zu verlieren:

Ein ETF soll die Performance eines Index 1:1 abbilden. Klar ist also, dass du den Index genau anschauen solltest bevor du ein ETF kaufst. Antworten auf Fragen wie:

Was ist das für ein Index?
Wie gewichtet er und wie wählt er die Unternehmen aus?
Welche Firmen/Länder sind vertreten
Wie oft wird er aktualisiert?
Passiv oder Aktiv?

kannst du dir am besten auf der Seite des Anbieters direkt besorgen. Zum Beispiel bei der Firma Stoxx oder MSCI.

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4 Kommentare “Welcher ETF ist der richtige? | Die Auswahl des Index”

  1. Du schreibst, es gäbe Indizes, bei denen die Unternehmen nach Umsatz gewichtet sind. Kannst Du mal ein Beispiel nennen? Ich habe noch nie von solch einem gehört.

    1. Hi Alex,

      Vorsicht, es handelt sich nicht um die Bilanzen der Unternehmen, sondern um den Umsatz, den die Aktie an der oder einer bestimmten Börse macht. Wie beispielsweise der TecDAX.
      Auf der Seite der Deutsche Börse Group heißt es dazu:
      „Kriterien für die Gewichtung der Aktien in TecDAX sind: Börsenumsatz und Marktkapitalisierung auf Basis des Streubesitzes (Freefloats).“
      Quelle

      Der Umsatz ist aber nicht nur Teil der Gewichtung, sondern neben der Marktkapitalisierung auch für bestimmte Indizes ein Auswahlkriterium. Der Freefloat sagt nämlich nichts über die Liquidität einer Aktie aus.
      Die meisten gängigen Indizes sind nach Marktkapitalisierung gesichtet, haben aber als Auswahlkriterium einen Börsenumsatz mit dabei.

      Näheres zu Aktienindizes kannst du beim Deutschen Aktieninstitut nachlesen. Hier wird auch gezeigt welche Formeln für die Berechnung herangezogen werden.
      PDF des DAI zu Aktienindizes

  2. Danke für die Erläuterungen. Aber das Prinzip, wie die Konstituenten der DAX-Familie ausgewählt werden, ist mir klar.

    Mein Problem bestand und besteht in der folgenden Aussage:

    „Kurz gesagt hat ein Index zwei Möglichkeiten für die Gewichtung von Unternehmen:

    Gewichtung nach Marktkapitalisierung
    Gewichtung nach Umsatz“

    Das ist dann nicht korrekt, wenn Du auf das Verfahren der Auswahl der Aktien, die den Index bilden, eingehst. Denn der Umsatz bestimmt nicht die Gewichtung, sondern das tut die Marktkapitalisierung oder in exotischen Fällen auch der Aktienkurs wie es beim Dow Jones der Fall ist.

    Ob eine Aktie überhaupt in den Index darf wird dann zusätzlich über das gehandelte Volumen entschieden, aber ist keine Grundlage für die Gewichtung.

    Daher ursprünglich meine neugierige Frage.

    1. Ja, da hast du wohl recht. Ich gebe zu, dass ich mich hier geirrt habe. Vielen Dank für das Feedback, ich werde den Beitrag entsprechend ändern und Danke für das aufmerksame lesen!

      Zur Info: Ein Freund, der den Artikel gelesen hat, hat mich auch auf RAFI Indizes hingewiesen. Es handelt sich hierbei um fundamental gewichtete Indizes, die nach Buchwert, Cashflow, Dividenden usw. gewichten. Aber auch hier spielt der Freefloat eine Rolle. Hier der Link: https://www.researchaffiliates.com/content/dam/ra/documents/RAFI-Index-Series-Rulebook-v1.1.pdf

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