ETF Replikation: So funktioniert die Index Nachbildung

Luis SchreckenbergETFLeave a Comment

ETF REplikation Beitragsbild

Der passive Investmentansatz wird unter den Privatanlegern und bei institutionellen Investoren zunehmend beliebter. Auch in den Medien sind ETFs präsenter als jemals zuvor. Denn mit ihnen können wir Anleger auf einfachste Weise und breit gestreut in gezielte Märkte investieren. Eine ziemlich coole Sache. Dabei macht ein ETF gar nicht viel. Er kopiert einfach die Auf- und Abwärtsbewegungen eines Indizes.

Was das genau bedeutet und was überhaupt ein ETF ist, kannst du hier erfahren. In diesem Beitrag möchte ich jedoch erklären, wie ein ETF das „Kopieren“ der Indexrendite bewerkstelligt. Wie funktioniert also die ETF Nachbildung?

2 Arten der ETF Replikation: physisch und synthetisch

Was wäre die einfachste Methode, um die Entwicklung eines Index nachzubilden? Man kauft einfach die Aktien, die im Index enthalten sind und zwar mit der gleichen Gewichtung. Das heißt 12% von Aktie A, 8% von Aktie B usw.

Diesen Weg der ETF Nachbildung gehen die physischen ETFs. Durch den Kauf der Aktien repliziert der Fonds zwangsläufig die Wertentwicklung des Index. Daher stammt auch der Begriff vollständige physische Replikation. Steigt der Index, steigt auch der ETF. Fällt er, muss auch der ETF fallen.

Bei 30 Unternehmen, wie sie bspw. im DAX (Deutscher Aktienindex) enthalten sind, ist dieses Prinzip kein Problem. Aber je mehr Positionen im Index sind, desto schwieriger wird die vollständige physische ETF Replikation. Daher existiert das Sampling.

Beim Sampling kauft der ETF nur bestimmte Positionen des Index. Denn bei Indizes, die viele verschiedene Aktien enthalten, fallen ein paar kleine Positionen wenig ins Gewicht. Daher lässt sich durch eine gezielte Auswahl der Aktien eine Nachbildung immer noch gut durchführen.

Die Auswahl der Aktien erfolgt beim Sampling nach bestimmten Kriterien, die der ETF Anbieter selbst festlegt. So kann der ETF Anbieter nur die größten Positionen des Index auswählen (s. Bild unten), oder aber die Aktien, die am meisten an einer bestimmen Börse gehandelt werden.

Beispiel für ETF Sampeling

ETF Sampeling: Es werden nur bestimmte Titel aus dem Index gekauft

Doch wie funktioniert die ETF Nachbildung, wenn ein Index 2.000 oder mehr Unternehmen hat? 2.000 Aktien kaufen?

Mal davon abgesehen, dass die Kosten einen Großteil der Rendite vernichten würden, sind in solchen Indizes auch Aktien enthalten, die illiquid sind. Das bedeutet, dass nur eine geringe Anzahl an Aktien am Markt verfügbar ist. Eine physische Replikation ist daher nicht, oder nur mit hohem Aufwand durchzuführen. Was also tun, wenn Sampeling an seine Grenzen stößt?

Die ETF Nachbildung durch Synthetik

Die Lösung dafür sind synthetische ETFs. Diese Art der ETF Replikation ist vor allem bei Indizes beliebt, die illiquide Wertpapiere abbilden und/oder zu viele Positionen für eine physische ETF Replikation enthalten.

Um solch einen Index nachzubilden, braucht der ETF einen Partner, den Kontrahenten. Mit diesem Partner (meist eine Bank) geht der ETF ein Tauschgeschäft ein. Und das funktioniert so:

Ein synthetischer ETF muss anders als der physische nicht die gleichen Aktien kaufen, die in dem abgebildeten Index sind. Er kann ganz andere Wertpapiere besitzen oder sogar gar keine. Das bedeutet, dass ein synthetischer ETF eine andere Rendite erwirtschaftet als der Index selbst. Sie kann höher, gleich oder niedriger sein. Verluste sind dabei nicht ausgeschlossen.

Da ein ETF aber die Wertentwicklung eines Index nachbilden muss, darf der Gewinn bzw. der Verlust nicht größer sein als der des Index selbst. 2% Wertsteigerung des Index bedeuten, dass der ETF nur um ca. 2% wachsen darf.

Damit das gewährleistet ist, zahlt der ETF daher alle überschüssigen Gewinne an den Partner. Umgekehrt muss der Kontrahent dem ETF Geld geben, wenn die Wertentwicklung des Index besser ist als die, der Wertpapiere des ETFs. Das heißt, dass manchmal der Fonds Geld bekommt und manchmal der Kontrahent.

Das Bild unten verdeutlicht den Prozess. In diesem Fall ist der Index um 5% gestiegen, während die Wertpapiere des ETFs nur um 2% gestiegen sind. Weil aber der ETF den Index abbilden soll, muss der Kontrahent die Differenz von 3% dem ETF gutschreiben. Erst so hat der ETF die gleiche Rendite wie der Index, nämlich 5%.

Swap grafisch

Swap: Die Differenz der Renditen wird dem jeweiligen Partner gegeben.

Solch ein „Tausch der Renditen“ nennt sich Swap. Daher kommt auch der Name Swap-ETF. Allerdings kann der Partner bspw. eine Bank in Zahlungsnot kommen und die Rendite des Index nicht an den ETF bezahlen. Dieses Risiko ist auch bekannt als Kontrahenten-Risiko.

Ist die ETF Replikation durch Swaps risikoreicher?

Ja, das ist sie. Aber nicht so sehr, wie es in den Medien dargestellt wird. Denn egal welche ETF Replikation stattfindet, sie alle unterliegen im europäischen Raum der OGAW-Richtlinie (Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren – zu engl. UCITS).

Die OGAW hat klare Vorschriften in welchem Umfang welche Produkte von ETFs gekauft werden dürfen. Dies gilt ebenso für Swap-ETFs. Auch beschränkt die OGAW-Richtlinie das Kontrahenten-Risiko auf 10% des Fondsvermögen. Das heißt, falls der Kontrahent dem Swap-ETF mehr als 10% des Fondsvermögens zahlen muss, ist dieser Swap gesetzlich mit Sicherheiten zu versehen.

Welche Sicherheiten das sein können, ist ebenfalls in der OGAW beschrieben. So müssen die Sicherheiten bspw. liquide und nun ja – sicher sein. Häufig bestehen sie daher aus Staatsanleihen mit einer hohen Bonität.

Im Falle, dass ein Tauschgeschäft mehr als 10% des Fondsvolumen übersteigt, folgt ein Swap-Reset und die Sicherheiten für den Swap müssen aufgestockt werden.

Nehmen wir folgende Matrix als Beispiel. In der linken Spalte findest du den Indexwert. In der nächsten, die Sicherheiten, die der jeweilige Swap hat. Die letzten beiden sind das ETF Vermögen und das errechnete Kontrahenten-Risiko. Wie leicht zu erkennen ist, steigt das Risiko, wenn der Wert der Sicherheiten unter dem Indexwert fallen. Durchbricht das Risiko die 10%-Marke, dann müssen zusätzliche Sicherheiten vom Kontrahenten hinterlegt werden.

Beispielrechnung für einen Swap Reset

Beispiel des Swap-Reset (Erhöhung der Sicherheiten) eines ETF, wenn Kontrahenten-Risiko > 10% ist.

Je nach Ort der Aufbewahrung, wird zwischen Funded Swap und Unfunded Swap unterschieden. Ein Swap-ETF mit Unfunded Swap hält die Aktien und Anleihen des Kontrahenten selbst und kann so bei einem Ausfall sofort reagieren.

Bei einem Funded Swap fließt das Geld der Anleger zu dem Kontrahenten. Er kauft in Absprache mit dem ETF-Anbieter die Sicherheiten und hinterlegt sie bei einem Treuhändler (normalerweise einer Depotbank).

Obwohl der Swap-ETF einen Anspruch auf die Sicherheiten hat, ist die Liquidierung trotzdem müßig. Denn der Anspruch ist zuerst anzumelden. Das bedeutet Anwälte, Richter usw.

ETF Nachbildung: Die Vor- und Nachteile der beiden Methoden

Während Swap-ETFs ein höheres Risiko haben, bedeutet eine physische ETF Nachbildung eine höhere Tracking Differenz. Was ist das schon wieder?

Die Tracking Differenz ist ein Unterschied in der Rendite des ETFs und der des Index wie das untere Bild zeigt.

Tracking Differenz bei dem iShares DAX ETF und dem DAX

Warum gibt es eine Abweichung? Weil Transaktionskosten anfallen. Eine physische ETF Replikation muss annähernd die gleichen Papiere, mit der gleichen Gewichtung des Index kaufen. Sonst funktioniert das mit dem Abbilden nicht. Wenn also eine AG aus dem Index fliegt oder eine neue Firma hinzukommt, so muss der ETF entsprechend reagieren. Solch einen Nachteil haben Swap-ETFs nicht.

Durch den Tausch der Renditen gleicht sich die Wertentwicklung des Swap-ETFs ziemlich genau an der des Index an. Sie haben daher im Allgemeinen eine geringere Tracking Differenz als die physische Replikation. Auf der anderen Seite besteht hier das Kontrahenten-Risiko.

Welche ETF Nachbildung ist nun besser?

Letztendlich kommt es ganz auf den Index an. Bei wenig Firmen oder Positionen würde ich einen physischen ETF bevorzugen. Bei größeren Indizes kann es auch mal ein Swap-ETF sein. Allerdings werden auch die großen Indizes wie bspw. der MSCI World physisch repliziert. Es kommt also ganz auf deine Präferenz an. Viele Anleger legen mehr Wert auf eine physische Replikation. Denn der Gedanke „nichts weiter als ein Tauschgeschäft“ zu haben, irritiert sie.

Für mich spielt die Wahl nach der ETF Nachbildung eine untergeordnete Rolle. Denn viel wichtiger als die ETF Replikation sind die laufenden Kosten und der Index selbst. Daher solltest du vor Kauf feststellen, ob der Index auch deine Anlagestrategie widerspiegelt.

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