ETF Replikation: So funktioniert die ETF Nachbildung

Luis SchreckenbergETF0 Kommentare

Das Ziel eines ETFs ist es, die Wertentwicklung eines Index zu kopieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob es der DAX, der TecDAX, mDAX oder gar ein globaler Index ist. Denn theoretisch kann es auf jeden Index ein ETF geben. Doch wie funktioniert die ETF Nachbildung? Welche Methoden stecken hinter der ETF Replikation?

2 Arten der ETF Replikation: physisch und synthetisch

Was wäre die einfachste Methode, um die Entwicklung eines Index nachzubilden? Richtig, man kauft einfach die Aktien, die im Index enthalten sind. Und zwar zu gleichen Anteilen. Diesen Weg der ETF Nachbildung gehen die physischen ETFs. Durch den Kauf der Aktien repliziert der Fonds zwangsläufig die Wertentwicklung des Index. Daher stammt auch der Begriff vollständige physische Replikation.

Bei 30 Unternehmen, wie sie bspw. im DAX enthalten sind, ist dieses Prinzip kein Problem. Aber je mehr Positionen im Index sind, desto schwieriger wird die vollständige physische ETF Replikation. Daher existiert das Sampling.

Beim Sampling kauft der ETF nur bestimmte Positionen des Index. Warum? Weil durch eine gezielte Auswahl der Positionen des Index, eine ETF Nachbildung immer noch gut funktioniert. Das spart Transaktionskosten und damit auch Rendite.

Die Auswahl der Aktien erfolgt nach bestimmten Kriterien, die dem ETF Anbieter selbst festlegt. Es können bspw. nur die größten Positionen des Index sein (s. Bild unten) oder aber die Aktien, die am meisten an der Börse gehandelt werden.

Beispiel für ETF Sampeling

ETF Sampeling: Es werden nur bestimmte Titel aus dem Index gekauft

Doch wie funktioniert die ETF Nachbildung, wenn ein Index 2.000 oder mehr Unternehmen hat? 2.000 Aktien kaufen?

Mal davon abgesehen, dass die Kosten einen Großteil der Rendite vernichten würden, sind in solchen Indizes auch Aktien enthalten, die illiquid sind. Das bedeutet, dass nur eine geringe Anzahl an Aktien am Markt verfügbar ist. Eine physische Replikation ist daher nicht oder nur mit hohem Aufwand durchzuführen. Auch Sampeling kann an seine Grenzen stoßen. Was also tun?

Die ETF Nachbildung durch Synthetik

Die Lösung für solche Indizes sind synthetische ETFs. Diese Art der ETF Replikation ist vor allem bei Indizes beliebt, die illiquide Wertpapiere abbilden und/oder zu viele Positionen für eine physische ETF Replikation enthalten.

Um solch einen Index nachzubilden braucht der ETF einen Partner, den Kontrahenten. Mit diesem Partner (meist eine Bank) geht der ETF ein Tauschgeschäft ein. Und das funktioniert so:

Ein synthetischer ETF muss anders als der physische nicht die gleichen Aktien kaufen, die in dem abgebildeten Index sind. Er kann ganz andere Wertpapiere besitzen oder sogar gar keine. Das bedeutet, dass ein synthetischer ETF eine andere Rendite erwirtschaftet als der Index selbst. Sie kann höher, gleich oder niedriger sein. Verluste sind dabei nicht ausgeschlossen.

Da ein ETF aber die Wertentwicklung eines Index nachbilden muss, darf der Gewinn bzw. der Verlust nicht größer sein als der des Index. 2% Wertsteigerung des Index bedeuten schließlich, dass der ETF nur um 2% wachsen darf. Einfach ausgedrückt zahlt der ETF daher alle überschüssigen Gewinne an den Partner. Umgekehrt muss der Kontrahent dem ETF Geld geben, wenn die Wertentwicklung des Index besser ist als die Wertpapiere, die der ETF hält. Das bedeutet, dass manchmal der Fonds Geld bekommt und manchmal der Kontrahent.

Synthetische ETF Replikation von ETFs

Swap: Die Differenz der Renditen wird dem jeweiligen Partner gegeben.

Solch ein „Tausch der Renditen“ nennt sich Swap. Daher kommt auch der Name Swap-ETF. Allerdings kann der Partner bspw. eine Bank in Zahlungsnot kommen und die Rendite des Index nicht an den ETF bezahlen. Dieses Risiko ist auch bekannt als Kontrahenten-Risiko.

Ist die ETF Replikation durch Swaps risikoreicher?

Ja, das sind sie. Aber nicht so sehr, wie es in den Medien dargestellt wird. Denn egal welche ETF Replikation stattfindet, sie alle unterliegen im europäischen Raum der OGAW-Richtlinie (Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren – zu engl. UCITS).

Die OGAW hat klare Vorschriften in welchem Umfang welche Produkte von ETFs gekauft werden dürfen. Dies gilt ebenso für Swap-ETFs. Außerdem ist das Kontrahenten-Risiko, also der unbesicherte Swapwert, auf 10% des Fondsvermögen beschränkt. Falls der Kontrahent dem Swap-ETF mehr als 10% des Fondsvermögens zahlen muss, ist dieser Swap gesetzlich mit Sicherheiten zu versehen. Es erfolgt ein Swap-Reset. Das heißt, dass die Sicherheiten aufgestockt werden.

In der Praxis geht das folgendermaßen:

Beispielrechnung für einen Swap Reset

Beispiel des Swap-Reset (Erhöhung der Sicherheiten) eines ETF, wenn Kontrahenten-Risiko > 10% ist.

Die Sicherheiten bei einem Swap-ETF bestehen häufig aus Aktien großer Firmen oder aus Staatsanleihen von hoher Bonität. Je nach Ort der Aufbewahrung, wird zwischen Funded Swap und Unfunded Swap unterschieden. Ein Swap-ETF mit Unfunded Swap hält die Aktien und Anleihen selbst und kann so bei einem Ausfall sofort reagieren.

Bei einem Funded Swap fließt das Geld der Anleger zu dem Kontrahenten. Er kauft damit Sicherheiten und hinterlegt sie bei einem Treuhändler (normalerweise einer Depotbank). Obwohl der Swap-ETF einen Anspruch auf die Sicherheiten hat, ist die Liquidierung müßig. Denn der Anspruch ist zuerst anzumelden. Das bedeutet Anwälte, Richter usw.

ETF Nachbildung: Die Vor- und Nachteile der beiden Methoden

Während Swap-ETFs ein höheres Risiko haben, bedeutet eine physische ETF Nachbildung eine höhere Tracking Differenz. Die Tracking Differenz ist der kleine Unterschied in der Rendite des ETFs, verglichen mit der Rendite des Index und wird immer am Ende eines Zeitraums betrachtet.

Tracking Differenz bei dem iShares DAX ETF und dem DAX

Warum gibt es eine Abweichung? Weil Transaktionskosten anfallen. Eine physische ETF Replikation muss annähernd die gleichen Papiere, mit der gleichen Gewichtung des Index kaufen. Sonst funktioniert das mit dem Abbilden nicht. Wenn also eine AG aus dem Index fliegt oder eine neue Firma hinzukommt, so muss der ETF reagieren. Solch einen Nachteil haben Swap-ETFs nicht. Dafür ist haben sie das Kontrahenten-Risiko.

Durch den Tausch der Renditen gleicht sich die Wertentwicklung des Swap-ETFs ziemlich genau an der des Index an. Sie haben daher eine geringere Tracking Differenz als die physische Replikation und spiegeln den Index besser ab. Auf der anderen Seite müssen sie Gebühren für die Rendite des Index an den Partner zahlen.

Neben der Tracking Differenz hat die physischen ETF Nachbildung ein oft ignoriertes Risiko: die Wertpapierleihe. Im Grundsatz verleihen die ETFs Wertpapiere an jemand anderen und bekommen dafür eine Leihgebühr. Können die Papiere danach nicht mehr zurückgegeben werden, so sind sie als Verluste für den ETF zu verbuchen. Das bedeutet ein erhöhtes Risiko.

Doch viele ETF Anbieter setzen sich bei der Leihe eine Grenze. Bei Blackrock, der Firma hinter iShares, sind es im Durchschnitt bspw. 10%. Noch dazu lassen sie sich ihre Leihe besichern. Bei einem Ausfall garantiert Blackrock mit dem eigenen Vermögen für einen Verlust der Anleger. Daher ist das Risiko eines Totalverlustes begrenzt (Quelle).

Welche ETF Nachbildung ist nun besser?

Letztendlich kommt es ganz auf den Index an. Bei wenig Firmen oder Positionen würde ich einen physischen ETF bevorzugen. Bei größeren Indizes kann es auch mal ein Swap-ETF sein. Allerdings werden auch die großen Indizes wie bspw. der MSCI World physisch von ETF repliziert. Es kommt also ganz auf deine Präferenz an. Stell bloß sicher, dass der Index auch deine Anlagestrategie widerspiegelt.

Für mich spielt die Wahl nach der ETF Nachbildung eine untergeordnete Rolle. Denn viel wichtiger als die ETF Replikation sind die laufenden Kosten. Je geringer, desto besser.

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