Was ist ein ETF? – Einfache Erklärung

Luis SchreckenbergBasics, ETF0 Kommentare

Wer sich mit Aktien und der Börse befasst, stolpert früher oder später über ETFs. Sie erfreuen sich immer mehr Beliebtheit bei den Privatanlegern. Doch was ist das genau? Das Wort ETF steht für Exchange Traded Fund und bedeutet zu Deutsch so viel wie börsengehandelter Indexfonds. In diesem Beitrag möchte ich dir erklären, was ein ETF ist und wo die Vorteile bzw. Nachteile für den Anleger stecken.

Die Grundstruktur des ETF

Zunächst müssen wir klären was ein Fonds eigentlich ist. Im Grunde genommen ist ein Fonds nichts weiter als ein Eimer voller Geld, der von einem Fondsmanager verwaltet wird. Anleger vertrauen ihm also ihr Geld an und er versucht durch Kaufen und Verkaufen den Eimer Geld zu vergrößern. Der Manager verwaltet den Fonds daher aktiv. Für seine Dienste zwackt er sich etwas Geld von dem Anleger ab. Ob seine Vergütung vom Gewinn abhängt oder ob die Anleger pauschal bezahlen, hängt ganz vom Fonds ab.

Wenn du also ein Fonds kaufst, hältst du keine Aktien sondern einen Fonds-Anteil. Die Idee ist für viele sehr interessant, denn ein Fonds kann je nach Anlagestrategie weit mehr als 100 oder 150 Wertpapiere besitzen. Du kaufst also nur ein Wertpapier, profitierst aber von vielen verschiedenen Papieren wie bspw. Aktien oder Anleihen.

Funktionsweise eines Fonds

Ein ETF ist aber kein gewöhnlicher Fonds, sondern ein Indexfonds. Der Unterschied steckt im Namen. Ein Indexfonds versucht einen Index zu kopieren. Genauer gesagt, die Wertentwicklung des Index.

Nehmen wir zum Beispiel den Deutschen Aktienindex (DAX). Der DAX spiegelt die Wertentwicklung der größten 30 deutschen Unternehmen an der Börse wider. Wenn also ein Indexfonds den DAX repliziert, ist die Rendite des Fonds dieselbe wie die des DAX. Falls der DAX um 2% wächst, wächst zwangsläufig auch der Fonds um 2% und umgekehrt.

Der Anleger braucht daher nicht von jeder Firma im DAX Aktien kaufen. Es reicht ein Fonds-Anteil an einem ETF, der quasi 30 Aktien zu einem Wertpapier eindampft.

Anders als normale Fonds werden Indexfonds meistens passiv gemanagt. Das bedeutet, dass ein Computer mit Algorithmen das Portfolio verwaltet. Schließlich darf sich die Rendite nie groß von der Rendite des Index unterscheiden. Und dafür ist ein Manager aus Fleisch und Blut nicht notwendig. Positiv für den Anleger, weil der Fonds dadurch bares Geld spart. Denn oft lassen sich Fondsmanager ihre Dienste hoch vergüten. Das ist auch einer der Gründe wieso aktiv gemanagte Fonds langfristig schlechter abschneiden als passiv gemanagte.

Typischerweise sind Fonds nicht über die Börse zu kaufen. Bei börsengehandelten Fonds ist das aber anders. Du kannst einen ETF zu jeder Zeit über die Börse kaufen und wieder verkaufen.

Vorteile eines ETF

Diversifikation ist mit einem ETF am einfachsten zu erreichen

Je mehr Firmen oder Assets, desto besser ist das Risiko gestreut.

Zu den Vorteilen von ETFs zählt die Diversifikation. Keiner zwingt dich alles auf eine Karte zu setzen. Denn das hätte nicht immer nur Vorteile. Je breit gefächerter du aufgestellt bist, desto besser streust du dein Risiko. Und genau das erreichst du mit einem ETF. Zum Beispiel mit einem ETF auf den All Country World Index (ACWI). Er bildet über 2.000 Unternehmen auf der ganzen Welt ab. Mit diesem ETF „investierst“ du also in über 2.000 Unternehmen weltweit. Der erste Vorteil ist also ganz klar: gestreutes Risiko.

Zu den Vorteilen zählt auch die Liquidität. Da es sich um börsengehandelte Indexfonds handelt, kannst du einen ETF zu jeder Zeit an der Börse verkaufen. Das bedeutet transparente und nachvollziehbare Preise, da sie stets offen für jeden einsehbar sind. Vorteile, die du bei normalen Fonds vergeblich suchst.

Außerdem vereinfachen ETFs eine Investition in neue bzw. exotische Märkte. Du umgehst so einen Fehler, den viele teuer bezahlen: den Home Bias. Kaufst du in nur einem Land ist das Risiko nicht optimal gestreut.

Eine weitreichende Entscheidung der Regierung, ein Skandal (VW-Abgasskandal) und die Wirtschaft kann stagnieren oder sogar schlimmer. Zusätzlich bleiben die Vorteile (bessere Renditen und Sicherheiten) anderer Märkte unfairerweise unberührt. Sich ETFs mit Positionen aus anderen Bereichen bzw. Ländern als dem eigenen zu kaufen, kann Vorteile haben.

ETFs bilden nicht nur Aktienindizes ab. Du kannst auch risikoarme ETFs kaufen, die bspw. Staatsanleihen abbilden. Zu sagen, dass alle ETFs von Haus aus risikoreich ist, ist daher falsch. Genauso inkorrekt ist, dass ein Aktien-ETF wegen der Diversifikation risikoarm ist.

Nachteile eines ETF

Das alles hört sich gut an, doch leider gibt es eben keine eierlegende Wollmilchsau. Auch ETFs haben Nachteile. Denn anders als bei Einzelaktien entstehen beim ETF laufende Kosten, auch Total Expense Ratio genannt (TER).

Die TER ist in Prozent angegeben und jährlich zu entrichten. Dennoch sind die Kosten im Vergleich zu gewöhnlichen Fonds wesentlich geringer. 3% oder gar 4% sind bei aktiven Fonds nicht selten. Dagegen sind 0,01% – 0,5% von ETF eher ein Klacks. Aber lass dich nicht täuschen! 0,5% können einen immensen Unterschied und große Nachteile in der Endsumme bedeuten. Denn ETF sind langfristige Anlagen.

Wenn also kurzfristige Gewinne im Vordergrund sind, dann ist ein ETF nicht die richtige Wahl. Wer ETFs kauft bringt lieber Zeit mit. Und zwar ordentlich Zeit. Wir sprechen von Anlagehorizonte von 20 und mehr Jahren. Auf der anderen Seite leben Menschen heutzutage auch wesentlich länger. 80 oder 90 Jahre sind keine Seltenheit. Daher lasse ich dich entscheiden, ob dies als Teil der Nachteile gezählt werden soll. Es kommt am Ende auf den Anlagehorizont von dir an.

Die Nachteile umfassen auch zusätzlichen Risiken, die aufgrund der synthetischen Replikationsmethode auftreten können.

Ein weiterer großer Nachteil ist, dass viele ETFs Indizes replizieren, die an und für sich kompletter Müll sind. Ein ETF ist eben nur so gut, wie der Index, den er kopiert. Daher ist es enorm wichtig zu wissen, was und wie der Index die Positionen aussucht. Obacht bei Indizes, die aktiv gemanagt sind! Denn hier verliert der ETF die Vorteile des passiven Investierens.

Wir halten fest:

Ein ETF bildet den Index nach. Der Käufer eines ETFs ist also der Meinung, dass aktives Investieren langfristig keine bessere Rendite erzielen kann als der Markt bzw. ein Index selbst. Daher verzichtet er auf Einzelaktien und gibt sich mit der Rendite eines Index zufrieden. Er bleibt also passiv. Ist dieses Vorgehen klug? Ich denke ja, denn viele Studien beweisen, dass langfristig passive Investoren besser abschneiden als aktive. Selbst Warren Buffett rät Privatanlegern diesen Weg.

Over the years, I’ve often been asked for investment advice, and in the process of answering I’ve
learned a good deal about human behavior. My regular recommendation has been a low-cost S&P 500 index fund. To their credit, my friends who possess only modest means have usually followed my suggestion.

Sind ETFs risikofrei? Natürlich nicht. Obwohl das Risiko eines Aktien-ETFs sehr gut gestreut ist, sind sie trotzdem dem risikoreichen Teil des Portfolios zuzuordnen. Dies gilt aber nicht für alle ETFs. Denn es gibt auch ETFs, die bspw. Indizes von AAA-Staatsanleihen abbilden. Es kommt letztendlich immer auch die Basiswerte bzw. den Index an.

Was ist ein ETF? – Einfache Erklärung
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